90/90-Regel: Diese 2 Fragen helfen beim Ausmisten der Küche

90/90-Regel: Diese 2 Fragen helfen beim Ausmisten der Küche

Sabrina Müller
von Sabrina Müller

Küche ausmisten mit der 90/90-Regel

Ich glaube, jede Küche hat sie: diese eine Schublade.

Sie klemmt jedes Mal, wenn du sie öffnen willst. Du ziehst daran, sie geht ein Stück auf, bleibt hängen – und natürlich liegt genau das, was du gerade brauchst, ganz hinten.

Oder dieser eine Küchenschrank, bei dem dir beim Öffnen jedes Mal irgendetwas entgegenkommt. Eine Dose, ein Deckel oder ein Küchengerät, das du schon seit Jahren nicht mehr benutzt hast.

Und dann gibt es vielleicht noch diese eine Tupperware-Dose, die du eigentlich gar nicht mehr schön findest. Sie ist verfärbt, der Deckel passt nicht mehr richtig und trotzdem nimmst du genau diese Dose immer wieder.

Nicht weil sie deine Lieblingsdose ist. Sondern weil du keine Lust hast, jedes Mal die anderen fünf Dosen aus dem Schrank zu räumen, nur um die passende zu finden.

Also kommt sie wieder in die Spülmaschine und du denkst: „Das sollte ich wirklich mal machen.“

Kennst du das?

Genau solche kleinen Situationen zeigen oft viel besser als ein übervoller Küchenschrank, wo das eigentliche Problem liegt. Es geht nämlich nicht nur darum, wie viele Dinge wir besitzen. Es geht darum, ob unsere Küche unseren Alltag unterstützt oder ob wir uns jeden Tag aufs Neue durch unsere eigenen Sachen kämpfen.


Und hier kommt die 90/90-Regel ins Spiel.

Was ist die 90/90-Regel?


Die Idee ist erstaunlich einfach. Du nimmst einen Gegenstand und stellst dir zwei Fragen:

Habe ich ihn in den letzten 90 Tagen benutzt?

Und werde ich ihn in den nächsten 90 Tagen wahrscheinlich benutzen?

Wenn du beide Fragen mit Nein beantwortest, ist das ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass du diesen Gegenstand wahrscheinlich nicht wirklich brauchst.

Die 90/90-Regel wurde von den amerikanischen Minimalisten **Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus**, bekannt als The Minimalists, bekannt gemacht. Sie beschreiben die Regel als Entscheidungshilfe beim Vereinfachen und Ausmisten. Wichtig: Die 90 Tage sind kein starres Gesetz. Die Minimalists schreiben selbst, dass je nach Situation auch 120 Tage oder sechs Monate sinnvoll sein können. Entscheidend ist, ehrlich auf die tatsächliche Nutzung zu schauen.

Und genau deshalb mag ich diese Methode.

Sie fragt nicht: „Darf ich das wegwerfen?“

Sondern: „Brauche ich das eigentlich noch?

Küchenutensilien nach der 90/90-Regel auswählen

Warum die 90/90-Regel gerade in der Küche so gut funktioniert


Die Küche ist ein ziemlich guter Ort, um die Methode auszuprobieren. Hier sammeln sich nämlich besonders viele Dinge an, die irgendwann einmal praktisch erschienen sind: Küchengeräte, Küchenhelfer, Vorratsdosen, Tassen, Gläser, Backformen oder irgendwelche Gadgets, die man unbedingt ausprobieren wollte.

Nimm dir einen Gegenstand, bei dem du schon länger denkst: „Brauche ich das eigentlich noch?“ Und beantworte die beiden Fragen ganz ehrlich.

Hast du ihn in den letzten 90 Tagen benutzt?

Wenn nicht: Wirst du ihn in den nächsten 90 Tagen wahrscheinlich benutzen?

Versuche dabei, nicht mit Möglichkeiten zu argumentieren. „Ich könnte es irgendwann brauchen“ ist etwas anderes als „Ich werde es in den nächsten drei Monaten tatsächlich brauchen“.

Und genau hier wird die Methode spannend.

Denn oft wissen wir die Antwort eigentlich schon. Wir wollen sie nur nicht so gerne hören.

Aber warum fällt Ausmisten dann trotzdem so schwer?


Wenn Ausmisten nur eine Frage der Logik wäre, hätten wir vermutlich alle viel weniger Dinge.

Wir wissen oft ganz genau, dass wir etwas nicht benutzen. Trotzdem behalten wir es.

„Aber das war teuer.“

„Vielleicht brauche ich es irgendwann noch.“

„Das war ein Geschenk.“

„Vielleicht koche ich irgendwann wieder mehr.“

Solche Sätze höre ich beim Ordnungscoaching immer wieder. Und sie haben etwas gemeinsam: Wir sprechen nicht mehr über den Nutzen des Gegenstandes, sondern über das Gefühl, das mit ihm verbunden ist.

Gerade deshalb finde ich die psychologische Seite des Ausmistens so spannend.

Wenn wir etwas besitzen, kann es sich für uns automatisch wertvoller anfühlen. Und wenn wir viel Geld dafür ausgegeben haben, möchten wir uns verständlicherweise nicht eingestehen, dass der Kauf vielleicht keine gute Entscheidung war.

Das Problem: Das Geld ist bereits ausgegeben.

Die Küchenmaschine wird nicht wertvoller, nur weil sie seit fünf Jahren im Schrank steht.

Und auch die Tatsache, dass du sie „vielleicht irgendwann“ brauchen könntest, bedeutet noch nicht, dass sie heute einen Platz in deiner Küche verdient.

Ich finde deshalb eine Frage besonders hilfreich:

Würde ich diesen Gegenstand heute noch einmal kaufen?

Wenn deine Antwort spontan „Nein“ lautet, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Manchmal behalten wir nicht den Gegenstand – sondern eine Vorstellung von uns selbst

Das ist beim Ausmisten besonders interessant.

Vielleicht hast du eine Küchenmaschine gekauft, weil du eigentlich jemand sein möchtest, der jeden Sonntag frisch Brot backt. Oder du besitzt eine Eismaschine, weil du dir vorgenommen hast, im Sommer selbst Eis zu machen. Vielleicht stehen fünf verschiedene Backformen im Schrank, obwohl du seit Jahren kaum noch backst.

Dann geht es beim Loslassen plötzlich nicht mehr nur um eine Küchenmaschine oder eine Backform.

Es geht um die Vorstellung davon, wie du gerne wärst.

Wir bewahren Dinge manchmal für unser zukünftiges Ich auf. Für die Frau, die irgendwann mehr Zeit hat. Mehr kocht. Mehr backt. Mehr Gäste einlädt.

Aber muss deine Küche wirklich für dieses hypothetische Leben eingerichtet sein?

Oder darf sie einfach zu deinem Leben heute passen?

Diese Frage verändert beim Ausmisten oft erstaunlich viel.

Wenn du dich genau mit diesem Thema beschäftigst, findest du hier noch mehr dazu:

Warum fällt Loslassen so schwer? 

Und was ist mit deiner verfärbten Tupperware?


Nehmen wir wieder unsere Dose.

Vielleicht hast du sie in den letzten 90 Tagen benutzt. Nach der 90/90-Regel dürfte sie also bleiben.

Aber warum benutzt du eigentlich immer diese Dose, obwohl du sie gar nicht mehr schön findest?

Vielleicht, weil sie ganz vorne steht.

Vielleicht, weil du für die anderen fünf Dosen zuerst den halben Schrank ausräumen müsstest.

Und genau hier passiert etwas Wichtiges: Vielleicht ist gar nicht die Tupperware das Problem. Vielleicht ist es dein Ordnungssystem.

Wenn die Dinge, die du täglich benutzt, schlecht erreichbar sind, greifst du automatisch nach dem, was am einfachsten zugänglich ist.

Das ist für mich ein wichtiger Teil von guter Ordnung. Es geht nicht darum, möglichst wenig zu besitzen. Es geht darum, die Dinge, die du wirklich verwendest, so zu platzieren, dass dein Alltag damit leichter wird.

Vielleicht brauchst du also nicht zehn neue Aufbewahrungsboxen.

Vielleicht brauchst du zuerst fünf alte Dosen weniger.

Die 90/90-Regel ist kein Wegwerfgesetz


Und hier möchte ich eine Sache unbedingt klarstellen: Die 90/90-Regel bedeutet nicht, dass alles weg muss, was du drei Monate nicht benutzt hast.

Ein Raclette benutzt du vielleicht nur wenige Male im Jahr. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn du gerne Raclette isst.

Auch ein grosser Bräter, die Weihnachtsdekoration oder eine spezielle Backform müssen nicht verschwinden, nur weil sie gerade Pause haben.

Die Frage ist vielmehr:

Ist es sinnvoll, dass ich diesen Gegenstand besitze?

Und wenn die Antwort Ja ist, darf er bleiben.

Vielleicht braucht er einfach einen anderen Platz.

Genau deshalb würde ich die 90/90-Regel nicht als strenge Aussortier-Regel sehen, sondern als Entscheidungshilfe, wenn du dich im „Vielleicht brauche ich es irgendwann noch“-Denken verlierst. Auch die ursprüngliche Methode ist ausdrücklich flexibel angelegt.

Was darf beim Küche ausmisten einmal genauer angeschaut werden?


Wenn du jetzt Lust bekommen hast, deine Küche auszumisten, musst du nicht gleich alle Schränke leeren.

Schau zuerst dorthin, wo du dich im Alltag sowieso schon ärgerst.

Die Schublade, die klemmt.

Der Schrank, aus dem jedes Mal etwas herunterfällt.

Die Vorratsdosen, bei denen du nie den passenden Deckel findest.

Die Tassen, von denen du eigentlich immer dieselben drei benutzt.

Die Küchengeräte, die seit Jahren ganz hinten stehen.

Oder die fünf verschiedenen Küchenhelfer, obwohl du immer wieder nach demselben greifst.

Das sind deine Hotspots.

Und sie sind oft viel interessanter als ein perfekt aufgeräumter Schrank, der dich eigentlich gar nicht stört.

Denn wenn dich eine Schublade jeden Tag nervt, hast du auch jeden Tag einen kleinen Hinweis darauf, dass dort etwas nicht funktioniert.

Du musst nicht deine ganze Küche an einem Wochenende ausmisten


Ich würde deshalb nicht mit dem Vorsatz starten: „Heute miste ich meine komplette Küche aus.“

Das ist ein ziemlich grosses Projekt.

Nimm stattdessen eine einzige Sache, die dich schon länger nervt.

Die klemmende Schublade.

Den Schrank, aus dem immer etwas fällt.

Oder deine Tupperware-Schublade.

Stell dir bei jedem Gegenstand die zwei Fragen der 90/90-Regel. Und wenn du bei einem Gegenstand trotzdem unsicher bist, helfen dir diese drei zusätzlichen Fragen:

Würde ich ihn heute noch einmal kaufen?

Wenn er morgen kaputt wäre – würde ich ihn ersetzen?

Behalte ich ihn wirklich gerne oder habe ich einfach Angst, ihn wegzugeben?


Mehr musst du für den Anfang gar nicht machen.

Denn manchmal beginnt Ordnung nicht mit einem grossen Ausmistprojekt.

Sondern damit, eine Sache nicht mehr jeden Tag aufs Neue nervig zu finden.

Wenn du noch nicht weisst, wo du beim Ordnung schaffen anfangen sollst, habe ich dazu bereits einen eigenen Artikel geschrieben:

Ordnung schaffen, aber wo anfangen? 

Und wenn du noch mehr darüber erfahren möchtest, was zu viele Dinge eigentlich mit unserem Alltag machen können, findest du hier meinen Artikel:

8 überraschende Fakten über Unordnung 

Vielleicht ist deine Küche gar nicht zu klein


Vielleicht kennst du diesen Gedanken: „Wir brauchen einfach mehr Stauraum.“

Aber bevor du neue Schränke, Boxen oder Regale kaufst, lohnt sich eine andere Frage:

Brauche ich wirklich mehr Platz – oder habe ich einfach mehr Dinge, als ich im Alltag brauche?

Denn mehr Stauraum kann ein überfülltes Zuhause zwar besser verstecken. Er löst aber nicht automatisch das eigentliche Problem.

Wenn du 20 Vorratsdosen besitzt und immer dieselben sechs verwendest, brauchst du vielleicht keinen grösseren Schrank.

Vielleicht brauchst du einfach sechs gut erreichbare Dosen.

Und vielleicht darf die verfärbte Tupperware-Dose dann tatsächlich gehen.


viele Vorratsdosen

Und wenn du beim Ausmisten immer wieder hängen bleibst …


Dann musst du das nicht alleine schaffen.

Als Ordnungscoach begleite ich Frauen und Familien dabei, Ordnung zu schaffen, die **wirklich zu ihrem Leben passt**. Nicht mit dem Ziel, möglichst wenig zu besitzen, sondern mit dem Ziel, dass dein Zuhause deinen Alltag unterstützt.

Denn manchmal fehlt nicht die Motivation.

Manchmal fehlt einfach ein neutraler Blick von aussen, die richtigen Fragen und ein bisschen Unterstützung dabei, Entscheidungen zu treffen.

Wenn du dir Unterstützung beim Ausmisten und Ordnung schaffen wünschst, kannst du hier ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir vereinbaren:

123 Ordnung – Ordnungscoach in der Region Zürich


Und vielleicht denkst du beim nächsten Öffnen deiner klemmenden Küchenschublade nicht mehr nur:

„Das sollte ich wirklich mal machen.“

Sondern:

„Okay. Heute ist sie dran.“ 😉

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Sabrina Müller
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